HERITAGE RECORD

Dazhao-Tempel (Jokhang)

Der Dazhao-Tempel (Jokhang) steht in Lhasa, Tibet. Chinesische Lokalchroniken geben seinen Namen als Dazhao, Dazhao, Dazhao und Dazhao (大昭/大招/大召/大诏) wieder; sein tibetischer Name lautet „Laomu“. Das Weizang Tongzhi verzeichnet vier Stockwerke mit fünf goldenen Hallen auf dem Dach, wobei die mittlere Halle eine Shakyamuni-Statue beherbergt. Vor dem Tor steht die Tang-Tubo-Bündnisstele, 1,5 Zhang hoch, ein Relikt des Changqing-Bündnisses von 821 unter Kaiser Muzong; daneben wächst eine alte Weide, die angeblich aus der Tang-Zeit stammt.

Perioden
Tubo
Regionen
Tibet
LOCATION
Lhasa, Autonome Region Tibet
READING
201 Min. Lesezeit
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Einführung

Der Dazhao-Tempel steht innerhalb der Altstadt von Lhasa, nach Westen gewandt. Sein Name wird in chinesischen Texten verschieden geschrieben — das Weizang Tongzhi schreibt „Dazhao“ (大招), das [Qianlong] Xizang Zhi verzeichnet seinen tibetischen Namen als „Laomu“, das Zhuguo Jiyou erklärt „zhao bedeutet übersetzt Tathagata“ — doch gemeint ist stets dasselbe.

Das Weizang Tongzhi bewahrt eine Gründungslegende: Die Tang-Prinzessin erkannte durch Wahrsagung, dass das Gelände Tibets „das Bild einer nach oben blickenden Dämonin“ sei, der Lhasa-See ihr „Herzblut“ und „Auge des Meeres“; man müsse ihn mit Steinen füllen, darauf einen lotosförmigen Tempel errichten und ringsum weitere einhundertacht Tempel bauen, um die Adern des Landes festzunageln — so entstand Dazhao. Abseits der Legende beschreiben die Chroniken den Tempel recht einheitlich: vier Stockwerke hoch, fünf goldene Hallen auf dem Dach, die von Balustraden umgebenen Hallen „allesamt über kupfernem Grund vergoldet, weiträumig und prächtig“; die Mittelhalle beherbergt einen Shakyamuni-Buddha, der mit der Tang-Prinzessin aus dem Zentralland nach Tibet gelangt sein soll, und der linke Wandelgang birgt Bildnisse der Tang-Prinzessin, des Tubo-Herrschers und der Tochter des Königs von Balebu (Nepal).

Die Steinstele vor dem Tempeltor wurde zum Gegenstand, den spätere chinesische Historiker immer wieder aufsuchten und zu identifizieren versuchten. Sowohl das Weizang Tongzhi als auch das Xizang Zhi verzeichnen sie als „etwa ein Zhang fünf Chi hoch“, mit den Titeln von Ministern, Großhofmeistern und Sekretären an ihren Seiten sowie dem Namen des Niu Sengru. Das Shushui Jing bestimmt sie im Vergleich mit den Dynastiegeschichten als die Bündnisstele der Changqing-Ära, erstes Jahr Changqing unter Kaiser Muzong (821). Das Zhuguo Jiyou zitiert alte Chroniken, wonach vor Dazhao ursprünglich zwei Tang-Stelen standen — eine für Kaiser Dezong und eine für Kaiser Muzong — und zur Qing-Zeit die Muzong-Stele „nicht mehr zu sehen war“. Neben der Stele standen noch alte Weiden, die in der Tang-Zeit gepflanzt worden sein sollen, „ihre betagten Stämme sich windend und krümmend wie Drachen“ — Stele und Weiden halten gemeinsam das Jahr des Tang-Tubo-Bündnisses vor dem Tempeltor fest.

Historische Dokumente

Weizang Tongzhi

布达拉之西南,竦起一峰,其南山生下,为藏之峰。山北去布达拉里许,中建一塔,下通西行大路。其山上层楼四起,为有行喇嘛坐静处。其寺内喇嘛多业岐黄。大招寺,

Südwestlich des Potala ragt ein einzelner Gipfel empor; der ihm südlich entspringende Berg ist der Gipfel von Tsang. Etwa ein Li nördlich des Bergs, vom Potala entfernt, wurde in der Mitte eine Pagode errichtet, unter der die große Straße nach Westen verläuft. Auf dem Gipfel des Bergs erhebt sich ein vielstöckiger Turm zu vier Seiten, ein Ort, an dem praktizierende Lamas in Meditation sitzen. Die meisten Lamas in diesem Tempel machen die Heilkunde zu ihrem Beruf. Was den Dazhao-Tempel betrifft:

西藏第一番王,传七世至曲结松赞、噶木布迎唐公主,又差头人伦布噶尔迎巴勒布王鄂特巴尔郭恰之女拜木萨为妾。唐公主带来释迦牟尼佛像,拜木萨带来墨居多尔济佛。白木萨欲修庙宇,藏王择地兴修。唐公主卜算藏地形势,乃妖女仰面之象,拉撒海子,乃妖女心血,是为海眼,须将海眼填塞,上修庙宇,如莲花形,将四围风脉更正,如八宝联络,乃得吉祥。藏王遂兴工,将海子四面用石堆砌,海眼中忽起五色霞光,现出石塔三层,用石抛击,然后用木接盖空隙处,镕铜淋满,海眼始平。藏王又虔祝神佛,欲将邪气镇压,在昌诸、销啰伦塔堆阳四地方,接连地脉之处,建寺一百八座。时有龙王现洋般式样,用石堆砌,大昭始成。相传至今一千八百四十余年。其地有拉撒内,坐东向西,楼高四层,上有金殿五座,阑干殿宇,皆系铜底溜金,宏敞壮丽。中殿供奉释迦牟尼佛,乃唐公主自中国铸请来者。左廊有唐公主藏王松赞噶木布、巴勒布王女拜木萨之像。其内神佛万计。中殿供奉

Der erste tibetische König; nach sieben Generationen kam Qujie Songzan (Songtsen), und Gampo empfing die Tang-Prinzessin. Er sandte zudem den Häuptling Lunbu Ga’er aus, um Baimusa, die Tochter des Etebar Guoqia, des Königs von Balebu (Nepal), als Nebenfrau zu empfangen. Die Tang-Prinzessin brachte ein Bildnis des Shakyamuni-Buddha mit; Baimusa brachte den Mojuduo’erji-Buddha (Akshobhya) mit. Baimusa wünschte, einen Tempel zu erbauen, und der tibetische König wählte einen Platz und begann den Bau. Die Tang-Prinzessin erkannte durch Wahrsagung das Gelände Tibets als das Bild einer nach oben blickenden Dämonin: Der See von Lhasa war das Herzblut der Dämonin, ein Auge des Meeres, das man auffüllen und darüber einen Tempel in Gestalt einer Lotosblüte errichten müsse, wobei die Wind-Adern ringsum in Ordnung zu bringen und wie die acht Kleinodien zu verbinden seien, damit Glück beschieden werde. Der König begann sodann das Werk und schichtete an allen vier Seiten des Sees Steine auf; aus dem Auge des Meeres stieg plötzlich ein fünffarbiges Morgenlicht auf, und eine dreistöckige steinerne Pagode erschien. Man warf Steine nach ihr, deckte dann die Lücken mit Holz und übergoss sie mit geschmolzenem Kupfer, und erst da war das Auge des Meeres eingeebnet. Der König betete überdies andächtig zu Göttern und Buddhas, in dem Wunsch, die bösen Kräfte zu bannen, und errichtete an den vier Orten Changzhu, Xiaoluo, Luntadui und Yang, wo die Adern des Landes zusammentrafen, einhundertacht Tempel. Zu jener Zeit erschien ein Drachenkönig in einer meergleichen Gestalt; Stein wurde aufgeschichtet, und Dazhao war endlich vollendet. Es heißt, seither seien mehr als eintausendachthundertvierzig Jahre vergangen. Die Stätte liegt innerhalb von Lhasa, nach Westen gewandt; der Turm ist vier Stockwerke hoch, mit fünf goldenen Hallen darauf, die von Balustraden umgebenen Hallen allesamt über kupfernem Grund vergoldet, weiträumig und prächtig. Die Mittelhalle beherbergt den Shakyamuni-Buddha, den die Tang-Prinzessin aus China hatte gießen lassen und mitgebracht hatte. Der linke Wandelgang birgt Bildnisse der Tang-Prinzessin, des tibetischen Königs Songtsen Gampo und der Baimusa, Prinzessin von Balebu. Darin sind Götter und Buddhas zu Zehntausenden. Die Mittelhalle beherbergt

万岁御座,香花然盏,四季长辉。楼顶东南隅有拜拉穆殿,神灵显赫,番敬畏之。内藏上古军器鸟𬬰,长八九尺至一丈者,与今之九子炮同,弓靫箭袋,亦甚长大。大殿内有明万历时太监杨英所立碑一座。前壁上绘唐元奘法师求经师弟四人像。门外有唐番和盟碑,高约一丈五尺,宽约四尺,厚约三尺,两旁刊有大臣、太宰、尚书等字迹,并牛僧儒姓名。碑侧古柳二株,老干蟠屈若龙虬,相传植自唐时云。

den kaiserlichen Thron des regierenden Kaisers, mit Weihrauch, Blumen und brennenden Lampen, die durch alle vier Jahreszeiten hell leuchten. An der südöstlichen Ecke des Turmdaches ist die Bailamu-Halle, deren Gottheit erlaucht ist und die die Tibeter in Ehrfurcht verehren. Sie birgt uralte Waffen und Feuerwaffen, manche acht oder neun Chi bis zu einem vollen Zhang lang, gleich der heutigen Neun-Schuss-Kanone, und auch die Bogenscheiden und Köcher sind sehr lang und groß. In der großen Halle steht eine Stele, die der Eunuch Yang Ying in der Wanli-Ära der Ming-Zeit errichtete. An der vorderen Wand sind die vier Gestalten des Tang-Dharmalehrers Xuanzang und seiner Schüler auf der Suche nach den Schriften gemalt. Vor dem Tor steht die Bündnisstele der Tang und Tubo, etwa ein Zhang fünf Chi hoch, etwa vier Chi breit und drei Chi dick, mit den Schriftzeichen für Minister, Großhofmeister und Sekretäre, die an ihren beiden Seiten eingemeißelt sind, dazu dem Namen des Niu Sengru. Neben der Stele stehen zwei alte Weiden, ihre betagten Stämme sich windend und krümmend wie Drachen, die man in der Tang-Zeit gepflanzt haben soll.

《卫藏通志》卷六“寺庙”,清和琳著 (Weizang Tongzhi, Umfassende Chronik von Ü-Tsang, Band 6, „Tempel“; von Helin der Qing-Zeit)

[Qianlong] Xizang Zhi

大在拉撒内,名曰老木,即建自唐时,坐东向西。楼高四层,上有金殿五座,阑干殿宇皆系铜底溜金,宏敞壮丽,焕然夺宝珍奇玩,毕聚于内。中殿供大佛,名觉释伽摩尼,云中土侍随唐公主至藏,年甫一十二岁,成圣西域,或云中国铸请来者。左廊有唐公主暨土蕃赞善并白布国王女塑像祀之。其内神佛万计,皆用大铜错贮酥油,点灯乌供,惟唐公主前不点酥油灯。楼顶东南隅金殿内有敬畏之汉人,有称骡子天王者。内藏尚古军器,其剑长五六尺,鸟枪有八九尺一丈长者,形与今之五子炮同。弓散箭袋亦甚大,其箭有四五尺长者,殊鸟异观。大殿内有明万历时太监杨英所立碑一通。殿门外前廊壁上绘有唐三藏师徒四众像。昔唐公主晚年好佛,皈依释教,故西向其门。门外有唐蕃和盟碑,高约一丈五尺,宽约四尺,厚约二尺,两旁刊有大臣、太宰、尚书等字迹,并牛僧儒姓名。但年远模糊,不能悉读,仅录其略,载于后编。碑旁有唐植古柳二株,老干盘屈,若龙蚪然。

Der große liegt innerhalb von Lhasa, mit Namen Laomu; er wurde in der Tang-Zeit erbaut und ist nach Westen gewandt. Der Turm ist vier Stockwerke hoch, mit fünf goldenen Hallen darauf, die von Balustraden umgebenen Hallen allesamt über kupfernem Grund vergoldet, weiträumig und prächtig, glänzend von Schätzen und seltenen Kostbarkeiten, die alle darin versammelt sind. Die Mittelhalle beherbergt einen großen Buddha namens Jueshijiamoni (Jowo Shakyamuni), der im Gefolge der Tang-Prinzessin nach Tibet gekommen sein soll, mit gerade zwölf Jahren, und der in den Westlichen Regionen die Heiligkeit erlangt habe — oder, wie manche sagen, aus China gegossen und hergebracht worden sei. Im linken Wandelgang werden geformte Bildnisse der Tang-Prinzessin, des Tubo-Herrschers und der Tochter des Königs von Baibu (Nepal) verehrt. Darin sind Götter und Buddhas zu Zehntausenden, alle in großen Bronzegefäßen mit Einlegearbeit, gefüllt mit geklärter Butter, um Lampen als Opfer zu entzünden; nur vor der Tang-Prinzessin wird keine Butterlampe entzündet. In der goldenen Halle an der südöstlichen Ecke des Turmdaches gibt es eine in Ehrfurcht verehrte chinesische Gestalt, die manche den Maultier-Himmelskönig nennen. Sie birgt uralte Waffen: Schwerter fünf oder sechs Chi lang, und Feuerwaffen, manche acht oder neun Chi bis zu einem vollen Zhang lang, in ihrer Form gleich der heutigen Fünf-Schuss-Kanone. Auch die Bogenscheiden und Köcher sind sehr groß, und es gibt Pfeile von vier oder fünf Chi Länge — ein seltsamer und ungewöhnlicher Anblick. In der großen Halle steht eine Stele, die der Eunuch Yang Ying in der Wanli-Ära der Ming-Zeit errichtete. An der Wand des vorderen Wandelgangs außerhalb des Hallentors sind die vier Gestalten des Tang-Tripitaka-Meisters und seiner Schüler gemalt. In ihren späten Jahren liebte die Tang-Prinzessin den Buddha und nahm Zuflucht in der buddhistischen Lehre, und darum ist das Tor nach Westen gewandt. Vor dem Tor steht die Bündnisstele der Tang und Tubo, etwa ein Zhang fünf Chi hoch, etwa vier Chi breit und zwei Chi dick, mit den Schriftzeichen für Minister, Großhofmeister und Sekretäre, die an ihren beiden Seiten eingemeißelt sind, dazu dem Namen des Niu Sengru. Da sie jedoch alt ist, ist sie verwischt und nicht vollständig zu lesen; nur eine Zusammenfassung ist verzeichnet, niedergelegt in einem späteren Abschnitt. Neben der Stele stehen zwei alte Weiden, in der Tang-Zeit gepflanzt, ihre betagten Stämme sich windend wie Drachen.

《[乾隆]西藏志》卷二“寺庙”,清允礼撰 (Qianlong Xizang Zhi, Chronik von Tibet der Qianlong-Ära, Band 2, „Tempel“; von Yunli der Qing-Zeit)

Jiaqing Weizang Tongzhi

大唐文武孝德皇帝、大蕃圣神赞普舅甥二主,商议社稷如一,结立大和盟约,永无沦替,神人俱已证之。世世代代使其称赞,是以勒石留传之于后也。文武孝德皇帝与圣神赞普二圣濬哲鸿被,晓久永之化,垂矜愍之情,恩覆并无内外,商议协同,务令万姓安泰,施恩如一,成久远大治之绩。兹者同心以申邻好之义,共成厥美。今汉蕃二国所守见管封疆,洮岷之东属大唐国界,其塞之西尽是大蕃地土,彼此不为杀敌,不举兵革,不相侵牟封疆。或有积阻,捉生问事,给以衣粮放归,令社稷山川无扰,各敬人神。然舅甥相好之义苦难,每须通传,彼此相倚,二国常相往来。两路所遣唐差蕃使,并于将军谷交马。其洮岷之东,大唐供应;清水县以西,大蕃供应。须令舅甥亲近之礼,使其两界烟尘不扬,同闻颂德之名,永无惊恐之虑,行人撤备,乡土俱安,并无相扰之犯。垂恩万代,则称美之声遍于日月所照矣。蕃于蕃国受安,汉亦汉国受乐。各依此盟誓,永不移易,当三宝及诸贤、日月星辰之下,刑牲设誓。如有不依此言,背约破盟者,受其殃祸也。蕃汉君臣并稽首告立,周细为文,二君之德,万载称扬,内外蒙庥,人民咸颂矣。

Der Kaiser von Großtang, Wen-Wu-Xiao-De, und der Heilige und Göttliche Tsenpo von Groß-Tubo — die beiden Herrscher, Onkel und Neffe — berieten, dass ihre Reiche wie eines sein sollten, und schlossen einen großen Friedensbund, der niemals verfallen solle und für den Götter und Menschen gleichermaßen Zeugnis abgelegt haben. Damit Geschlecht um Geschlecht ihn preise, ließen sie ihn in Stein einmeißeln, um ihn der Nachwelt zu überliefern. Der Kaiser Wen-Wu-Xiao-De und der Heilige und Göttliche Tsenpo, zwei Weise von tiefgründiger Klugheit und weitreichendem Einfluss, die den Wandel des Langen und Dauerhaften verstanden und ein Herz voller Mitleid trugen, breiteten ihre Gnade ohne Unterschied von innen und außen aus; einträchtig beratend, mühten sie sich, die zahllosen Menschen sicher und in Frieden zu machen, spendeten gleichermaßen Güte und vollbrachten das Verdienst einer langen und großen Ordnung. Nun, eines Herzens, legten sie den Grundsatz nachbarlicher Freundschaft dar und vollendeten gemeinsam seine Vortrefflichkeit. Heute sind die von den beiden Staaten Han und Tubo gehaltenen und verwalteten Grenzen diese: Östlich von Tao und Min gehört zum Reich von Großtang, und westlich jener Grenze ist alles das Land von Groß-Tubo. Keiner soll den anderen zum Feind machen, noch Waffen erheben, noch in die Grenzen des anderen eindringen. Sollte es irgendeine Behinderung geben und Gefangene ergriffen und verhört werden, so sollen sie mit Kleidung und Proviant versehen und heimgeschickt werden, damit die Reiche und die Berge und Flüsse ungestört bleiben und ein jeder Menschen und Götter ehre. Doch der Grundsatz der Freundschaft zwischen Onkel und Neffe ist schwer zu wahren, und Botschaften müssen stets übermittelt werden; aufeinander gestützt, sollen die beiden Staaten regelmäßig Besuche austauschen. Die auf den beiden Wegen entsandten Tang-Gesandten und Tubo-Boten sollen die Pferde im Jiangjun-Tal tauschen. Östlich von Tao und Min soll Großtang für Versorgung sorgen; westlich des Kreises Qingshui soll Groß-Tubo für Versorgung sorgen. Die Riten der Nähe zwischen Onkel und Neffe sollen gewahrt werden, damit an keiner der beiden Grenzen der Staub des Krieges aufsteige, damit beide den Namen der gepriesenen Tugend vernehmen, für immer ohne Anlass zur Beunruhigung, die Reisenden ihre Wachsamkeit ablegen, Heimat und Land gleichermaßen in Frieden, ohne das Vergehen wechselseitiger Störung. Möge diese Gnade zehntausend Geschlechter überdauern, so wird der Klang des Lobes sich verbreiten, wohin Sonne und Mond scheinen. Tubo soll Frieden finden im Land von Tubo, und Han soll ebenso Freude finden im Land von Han. Ein jeder soll sich an diesen Eid halten, der niemals geändert werden soll, und vor den Drei Kleinodien, den versammelten Weisen und der Sonne, dem Mond und den Sternen schlachteten sie Opfertiere und schworen. Sollte jemand sich nicht an diese Worte halten und den Bund brechen und den Eid verletzen, so möge das Unheil über ihn fallen. Die Herren und Minister von Tubo und Han neigten gemeinsam ihre Häupter und verkündeten seine Errichtung, wobei sie den Text in aller Ausführlichkeit verfassten; die Tugend der beiden Herrscher soll zehntausend Jahre gerühmt werden, innen und außen sollen ihren Schutz genießen, und das Volk soll allesamt ihr Lob singen.

《嘉庆卫藏通志》校字记所录《一统志》唐碑,清佚名修 (Jiaqing Weizang Tongzhi, Umfassende Chronik von Ü-Tsang der Jiaqing-Ära; der in den Kollationsnotizen aus dem Yitong Zhi verzeichnete Text der Tang-Stele; Verfasser unbekannt, Qing-Zeit)

大唐文武孝德皇帝、大蕃圣神赞普甥舅二主,商议社稷如一,结立大和盟约,永无沦替,神人俱以证知。世世代代使其称赞,是以盟大节留传知于后也。文武孝德皇帝与圣神赞普德之黎赞陛下,二圣睿哲鸿被,晓之今永化亨,矜愍之情,恩覆其无内外,商议叶同,务令万姓安泰,所思如十,成久远大治之绩。兹观同心以伸怜好之义,共成厥美。今蕃汉二国所守见官封疆,洮岷之东,太唐国界,其塞之西尽是大番地土,彼此不为杀敌,不举兵革,不相侵谋。封疆或有积阻,捉生问事,设给以衣粮放归,令社稷山川无扰,各敬人神。然舅甥相好之义苦难,每须通传,彼此相倚,二国常相往来。两路所差唐差蕃使,并于将军谷交马。其洮岷之东,大唐供应;清水县之西,大番供应。须令甥舅亲近之体,使两界烟尘不闻,同扬盛德之名,频无惊恐之虑,行人撤备,乡土俱安,礼无相扰之犯。垂恩万代,则称羡之声遍于日月所照矣。蕃于蕃国受安,汉亦于汉国受乐,兹合其大业耳。各依此盟誓,永不移易,当三宝及诸贤、日月星辰之下,且陈形俱为盟,设此大誓约。如有不依此誓,蕃汉背约破盟者,来其祸殃也。倘倾覆以及动阴谋者,不在破盟之限。蕃汉君臣并稽首告立,周细为文,二君之德,万载称扬,内外蒙庥,人民咸颂矣。

Der Kaiser von Großtang, Wen-Wu-Xiao-De, und der Heilige und Göttliche Tsenpo von Groß-Tubo — die beiden Herrscher, Neffe und Onkel — berieten, dass ihre Reiche wie eines sein sollten, und schlossen einen großen Friedensbund, der niemals verfallen solle und für den Götter und Menschen gleichermaßen Zeugnis abgelegt haben. Damit Geschlecht um Geschlecht ihn preise, wurde dieser große Akt des Bündnisses überliefert, auf dass er der Nachwelt bekannt werde. Der Kaiser Wen-Wu-Xiao-De und Seine Majestät der Heilige und Göttliche Tsenpo Trisong (Dé-zhi-lizan), zwei Weise von durchdringender Klugheit und weitreichendem Einfluss, die das Gedeihen einer dauerhaften Gegenwart verstanden und ein Herz voller Mitleid trugen, breiteten ihre Gnade ohne Unterschied von innen und außen aus; einträchtig beratend, mühten sie sich, die zahllosen Menschen sicher und in Frieden zu machen, ihre Gedanken wie eines, und vollbrachten das Verdienst einer langen und großen Ordnung. Nun, angesichts dieser Einheit des Herzens, legten sie den Grundsatz der Freundschaft dar und vollendeten gemeinsam seine Vortrefflichkeit. Heute sind die von den beiden Staaten Tubo und Han gehaltenen und regierten Grenzen diese: Östlich von Tao und Min ist das Reich von Großtang, und westlich jener Grenze ist alles das Land von Groß-Tubo. Keiner soll den anderen zum Feind machen, noch Waffen erheben, noch gegen den anderen Ränke schmieden. Sollte es an den Grenzen irgendeine Behinderung geben und Gefangene ergriffen und verhört werden, so sollen sie mit Kleidung und Proviant versehen und heimgeschickt werden, damit die Reiche und die Berge und Flüsse ungestört bleiben und ein jeder Menschen und Götter ehre. Doch der Grundsatz der Freundschaft zwischen Neffe und Onkel ist schwer zu wahren, und Botschaften müssen stets übermittelt werden; aufeinander gestützt, sollen die beiden Staaten regelmäßig Besuche austauschen. Die auf den beiden Wegen entsandten Tang-Gesandten und Tubo-Boten sollen die Pferde im Jiangjun-Tal tauschen. Östlich von Tao und Min soll Großtang für Versorgung sorgen; westlich des Kreises Qingshui soll Groß-Tubo für Versorgung sorgen. Die Art der Nähe zwischen Neffe und Onkel soll gewahrt werden, damit an keiner der beiden Grenzen der Staub des Krieges zu hören sei, damit beide den Namen der überströmenden Tugend verkünden, wieder und wieder ohne Anlass zur Beunruhigung, die Reisenden ihre Wachsamkeit ablegen, Heimat und Land gleichermaßen in Frieden, ohne das Vergehen wechselseitiger Störung durch Verletzung des Anstands. Möge diese Gnade zehntausend Geschlechter überdauern, so wird der Klang der Bewunderung sich verbreiten, wohin Sonne und Mond scheinen. Tubo soll Frieden finden im Land von Tubo, und Han soll ebenso Freude finden im Land von Han — so wird ihr großes Werk vollendet. Ein jeder soll sich an diesen Eid halten, der niemals geändert werden soll, und vor den Drei Kleinodien, den versammelten Weisen und der Sonne, dem Mond und den Sternen legten sie die Formen dar und schlossen den Bund, indem sie diesen großen Eid festsetzten. Sollte jemand sich nicht an diesen Eid halten — Tubo oder Han, die den Bund brechen und das Gelöbnis verletzen —, so möge das Unheil über ihn fallen. Doch wer ihn umstürzt oder eine Verschwörung in Gang setzt, der ist nicht in die Schranken des Bundbruchs eingeschlossen. Die Herren und Minister von Tubo und Han neigten gemeinsam ihre Häupter und verkündeten seine Errichtung, wobei sie den Text in aller Ausführlichkeit verfassten; die Tugend der beiden Herrscher soll zehntausend Jahre gerühmt werden, innen und außen sollen ihren Schutz genießen, und das Volk soll allesamt ihr Lob singen.

《嘉庆卫藏通志》校字记所录《西藏记》唐碑,清佚名修 (Jiaqing Weizang Tongzhi, Umfassende Chronik von Ü-Tsang der Jiaqing-Ära; der in den Kollationsnotizen aus dem Xizang Ji verzeichnete Text der Tang-Stele; Verfasser unbekannt, Qing-Zeit)

Shushui Jing

西藏大诏门外有唐文武孝德皇帝和盟碑高一丈

Vor dem Tor von Dazhao in Tibet steht die Bündnisstele des Tang-Kaisers Wen-Wu-Xiao-De, ein Zhang

五尺宽四尺厚二尺旁刊唐大臣姓名有牛僧孺字

fünf Chi hoch, vier Chi breit, zwei Chi dick, mit den Namen der Tang-Minister, die an ihren Seiten eingemeißelt sind, darunter die Schriftzeichen für Niu Sengru.

样按史唐与吐蕃盟者屡矣开元二年蕃相岔达延

Prüft man die Geschichtswerke: Tang und Tubo schlossen viele Male Bündnisse. Im zweiten Jahr der Kaiyuan-Ära reichte der Tubo-Kanzler Chadayan (Tsenda-yen)

上书乞盟定境于河源丐左散骑常侍解玼莅盟帝

eine Denkschrift ein, in der er um ein Bündnis bat, um die Grenze an der Quelle des Gelben Flusses festzulegen, und ersuchte, dass der Linke Kavallerie-Begleitkämmerer Xie Ci dem Eid vorstehe; der Kaiser

令姚崇报书未定而坌达延寇临洮盟遂寝十五年

befahl Yao Chong zu antworten, doch ehe es beigelegt war, überfiel Tsenda-yen Lintao, und das Bündnis wurde ausgesetzt. Im fünfzehnten Jahr

吐蕃乞盟唐使报聘听以赤岭为界竖大碑刻约其

bat Tubo um ein Bündnis; die Tang sandten Gesandte zur Erwiderung und willigten ein, den Roten Grat (Chiling) als Grenze zu nehmen, und errichteten eine große Stele und meißelten den Bund darauf

上二十六年吐蕃大入河西创南节度王昱碎其碑

ein. Im sechsundzwanzigsten Jahr fiel Tubo mit großer Macht in Hexi ein und richtete ein südliches Militärgouvernement ein; Wang Yu zerschlug jene Stele.

至德四年吐蕃乞和帝令宰相萧华裴遵度与之盟

Im vierten Jahr der Zhide-Ära bat Tubo um Frieden; der Kaiser befahl den Ministern Xiao Hua und Pei Zundu, mit ihnen ein Bündnis zu schließen.

大历十四年节度张金复与盟于清水建中元年使

Im vierzehnten Jahr der Dali-Ära schloss der Militärgouverneur Zhang Jin erneut ein Bündnis bei Qingshui. Im ersten Jahr der Jianzhong-Ära ging der Gesandte

韦伦报聘伦请上自为载书杨炎以为非敌请与郭

Wei Lun zur Erwiderung des Besuchs; Lun bat den Kaiser, selbst das Bundesdokument zu verfassen, doch Yang Yan hielt Tubo nicht für ebenbürtig und bat, dass Guo

子仪令上画可贞元三年检校司空浑瑊盟于平凉

Ziyi stattdessen beauftragt werde, und der Kaiser gab seine Zustimmung. Im dritten Jahr der Zhenyuan-Ära schloss der amtierende Minister für öffentliche Arbeiten Hun Zhen ein Bündnis bei Pingliang,

而吐蕃伏兵坛西作乱不果长庆元年使者尚精力

doch Tubo hatte Soldaten westlich des Altars versteckt und einen Aufstand erhoben, sodass es zu nichts kam. Im ersten Jahr der Changqing-Ära kam der Gesandte Shang Jingli,

陀思来朝乞盟穆宗命大理卿刘元鼎充盟会使副

Tuosi (Lönpo Tashi), an den Hof und bat um ein Bündnis; Kaiser Muzong ernannte den Justizkämmerer Liu Yuanding zum Bündnisversammlungs-Kommissar, mit, als seinen Stellvertretern,

以右司郎中刘师老右仆射韩皋御史中丞牛僧孺

dem Direktor der Rechten Liu Shilao, dem Vizedirektor der Rechten Han Gao, dem Vize-Zensorenchef Niu Sengru,

吏部尚书李绛兵部尚书萧俯户部尚书杨于陵礼

dem Minister für Personal Li Jiang, dem Minister für Krieg Xiao Fu, dem Minister für Finanzen Yang Yuling,

部尚书韦绶卿太常赵宗儒司农裴武京兆尹柳公

dem Minister für Riten Wei Shou, dem Zeremonienkämmerer Zhao Zongru, dem Kämmerer des Nationalschatzes Pei Wu, dem Metropolitangouverneur Liu Gong-

绰金吾将军郭纵与蕃使论讷罗咸书名于策同盟

chuo und dem General der Goldenen Garde Guo Zong — die zusammen mit dem Tubo-Gesandten Lun Neluo allesamt ihre Namen auf den Bund schrieben und das Bündnis

京师之西郊然而蕃骑潜屯鲁州矣二年蕃使赵国

in den westlichen Vorstädten der Hauptstadt schlossen; doch die Tubo-Reiterei hatte sich heimlich bei Luzhou verschanzt. Im zweiten Jahr überbrachte der Tubo-Gesandte Zhao Guo-

章致信币帝命元鼎就盟其国告盟一人自秀译授

zhang einen Brief und Geschenke; der Kaiser befahl Yuanding, nach Tubo zu gehen, um das Bündnis in jenem Land zu schließen und den Bund zu verkünden, wobei ein Mann, Zixiu, als Dolmetscher diente.

蜀水经真卷之十此

(Shushui Jing, Band 10.) Hier

于下重以浮屠为誓盖即此碑也文武孝德皇帝则

schworen sie unten überdies beim Buddha — dies ist in der Tat eben jene Stele. „Kaiser Wen-Wu-Xiao-De“ war dann

穆宗长庆元年七月群臣所上尊号元黑所经历逾

der Ehrentitel, den die versammelten Minister im siebten Monat des ersten Jahres von Muzongs Changqing-Ära verliehen. Der Weg, den Yuan-hei zurücklegte, führte über

成纪武川抵河广武梁皆陇右故地过石堡城严壁

Chengji und Wuchuan hinaus und erreichte den Fluss bei Guangwu Liang, allesamt frühere Länder von Longyou; vorbei an der Shibao-Stadt, deren strenge Wälle

峭立磴道回屈号铁刀城右行数十里土石皆赤

steil aufragten, der Stufenpfad sich windend und wendend — sie heißt Eisenklingen-Stadt. Geht man nach rechts einige Dutzend Li, so waren Erde und Stein allesamt rot;

所谓赤岭距长安三于里渡闷恒卢州直迟娑川之南

dies ist der sogenannte Rote Grat, etwa dreitausend Li von Chang’an entfernt. Nach der Überquerung bei Menheng und Luzhou, geradewegs südlich des Chisuo-Flusses,

百里臧河所流河西南地如砥原野秀沃夹河多柽

fließt hundert Li lang der Tsang-Fluss; das Land südwestlich des Flusses ist flach wie ein Wetzstein, die Ebenen üppig und fruchtbar, und an beiden Ufern wachsen viele Tamarisken

柳赞普居臧河北即今藏河也

und Weiden. Der Tsenpo wohnt nördlich des Tsang-Flusses — das ist der heutige Tsang-Fluss.

西藏大诏西廊有唐三藏师徒四众像塑元装孙行

Der westliche Wandelgang von Dazhao in Tibet birgt Bildnisse des Tang-Tripitaka-Meisters und seiner vier Schüler: geformte Gestalten von Xuanzang, Sun dem Wanderer (Sun Wukong),

者猪八戒沙和尚之属又谓藏东七十里地名德庆

Zhu Bajie und Sha dem Mönch (Sha Wujing) und ihresgleichen. Man sagt auch, siebzig Li östlich von Tibet liege ein Ort namens Deqing

里者即高老庄为猪八戒招亲处然续高僧传云元

Li, das das Dorf Gaolao sei, wo Zhu Bajie eingeheiratet habe. Doch das Xu Gaoseng Zhuan sagt, dass Xuanzang

装誓往华胥诣陈表有司不为通引贞观三年时遭

gelobte, nach Westen zu ziehen, und eine Denkschrift einreichte, doch die Beamten wollten sie nicht weiterleiten; im dritten Jahr der Zhenguan-Ära, einer Zeit von

霜俭下敕道俗随丰四出幸因斯嗏径往西域法𫟍

Frost und Hungersnot, gestattete ein Erlass Geistlichen und Laien, sich in die vier Richtungen zu zerstreuen, um Überfluss zu suchen, und diese Gelegenheit nutzend zog er geradewegs in die Westlichen Regionen. Das Fayuan

珠林假重其事乃言诏金吾将军元策扈三藏往西

Zhulin schmückt die Sache aus und sagt, ein Erlass habe den General der Goldenen Garde Yuance beauftragt, Tripitaka in die Westlichen

域本无四众之怪诞也元道士邱长春演西游记脍

Regionen zu geleiten — ursprünglich gab es keine solche phantastische Geschichte von vier Schülern. Der Yuan-Daoist Qiu Changchun führte die Reise nach Westen aus, die zu

炙俗口汉人贾于藏中者传述缯塑不足辨矣

einer schmackhaften Erzählung auf gemeinen Zungen wurde, und Han-Kaufleute, die in Tibet Handel trieben, gaben sie weiter; die Seidenmalereien und geformten Bildnisse sind nicht der Erörterung wert.

《蜀水经》卷十,清李元撰 (Shushui Jing, Klassiker der Gewässer von Shu, Band 10; von Li Yuan der Qing-Zeit)

Shengwu Ji

邵阳魏源国朝抚绥西藏记上西藏古吐蕃,元、明为乌斯藏,其人则谓之唐古特,亦曰土伯特。其地分三部:曰康,即四川打箭驴外巴塘、察木多之地,为前藏。日卫,即布达抗及大招寺,本吐蕃建牙之所,今达赖居之,为中藏。曰藏,即扎什伦布,本拉藏所治,今班禅居之,为后藏。又并极西之阿里,则称四部云。北界河源,南界大金沙江,江上游也。下游由缅甸入南海,视岷江、土游之小金沙江,广阔数倍,或云即黑水。而三藏即三危。其以怒江为距雪岭,东西六千余里,南北五千余里,距京师万有四千余里。由川、陜滇入藏,有三路,皆先至前藏,而后西至中藏,又西至后藏,又最西至阿里。云在五天竺之东,非古佛国也,而距天竺较近,故经教至多,持陀罗足尤验。多僧,无城郭。僧居土台者皆持戒律,不持戒者居土台外。自唐太宗以文成公主下嫁吐番赞普,好佛,立寺庙,西藏始通于中国。元世祖封西番高僧八思巴为帝师、大宝法王,以领其地,后嗣世袭其号,而西藏始为释教宗主。

Wei Yuan aus Shaoyang, „Aufzeichnung der Befriedung Tibets durch die Dynastie, erster Teil“: Tibet war das alte Tubo; unter den Yuan und Ming war es Wusizang (Ü-Tsang), und sein Volk heißt die Tanggute (Tanguten), auch die Tubote (Töpöt). Sein Land ist in drei Teile geteilt. Der erste, Kang genannt, ist die Region von Batang und Chamdo jenseits von Dajianlu in Sichuan — das ist das Vordere Tibet. Der zweite, Wei (Ü) genannt, ist der Potala und der Dazhao-Tempel, ursprünglich der Sitz, an dem die Tubo ihren Hof errichteten; heute wohnt dort der Dalai — das ist das Mittlere Tibet. Der dritte, Zang (Tsang) genannt, ist Tashilhunpo, ursprünglich von Lhazang regiert; heute wohnt dort der Panchen — das ist das Hintere Tibet. Fügt man Ngari im äußersten Westen hinzu, so nennt man sie die vier Teile. Seine nördliche Grenze ist die Quelle des Gelben Flusses, seine südliche Grenze der Große Jinsha-Fluss, der Oberlauf des Flusses. Sein Unterlauf mündet durch Burma in das Südmeer, und verglichen mit dem Min-Fluss oder dem Kleinen Jinsha des Oberlaufs ist er mehrere Male so breit; manche sagen, es sei das Schwarze Wasser. Und die drei Tsang sind die drei Gefahren. Mit dem Nu-Fluss als seiner Grenze am Schneegrat erstreckt es sich mehr als sechstausend Li von Ost nach West und mehr als fünftausend Li von Nord nach Süd und ist mehr als vierzehntausend Li von der Hauptstadt entfernt. Drei Wege führen von Sichuan, Shaanxi und Yunnan nach Tibet, alle erreichen zuerst das Vordere Tibet, dann nach Westen das Mittlere Tibet, weiter nach Westen das Hintere Tibet und am weitesten nach Westen Ngari. Es soll östlich der Fünf Indien liegen — es ist kein altes Buddha-Land, doch da es Indien näher ist, sind seine Schriften und Lehren am reichlichsten, und das Halten der Dharani ist besonders wirksam. Es gibt viele Mönche und keine Stadtmauern. Die Mönche, die auf den Erdplattformen wohnen, halten alle die Gebote; die, die die Gebote nicht halten, wohnen außerhalb der Plattformen. Von der Zeit an, da Kaiser Taizong der Tang die Prinzessin Wencheng an den Tubo-Tsenpo verheiratete, der den Buddha liebte und Tempel errichtete, kam Tibet erstmals mit China in Berührung. Kaiser Shizu der Yuan belehnte den bedeutenden westlichen Mönch Phagpa als kaiserlichen Lehrmeister und Großen Kleinod-Dharmakönig, um das Land zu regieren, und seine Nachfolger erbten den Titel der Reihe nach; so wurde Tibet erstmals der Oberherr der buddhistischen Lehre.

《圣武记》卷五“国朝抚绥西藏记上”,清魏源撰 (Shengwu Ji, Aufzeichnung der heiligen Feldzüge, Band 5, „Aufzeichnung der Befriedung Tibets durch die Dynastie, erster Teil“; von Wei Yuan der Qing-Zeit)

Zhuguo Jiyou

大召寺名,土人呼召如诏,或如招声,又名老木郎。金碧崇闳,为西藏一大古刹。屋宇深邃幽暗,如入深衖,虽白昼亦须难烛。铺地用石,光泽可鉴,履之时虑滑㳠。其塑佛菩萨像,大抵金身,与内地相等,惟较矬陋耳。正殿左右庑,诸佛林立,左庑内番僧指某某为唐公主及吐蕃赞普并白布国王女之像,然与诸佛形状相似,再过之,不能辨识也。然酥油琉璃灯,昼夜不绝,火亦如内地佛刹。长明灯,佛前陈供,如噶布伦、哈达之类居多。藏佛以万计,四围以铁网罘罳护之,防人攘窃。此诸寺皆然,不独大召也。达赖喇嘛、班禅、额尔德尼往往至大召礼佛,铙角螺吹,声闻数里外。寺内喇嘛数百人。寺前有唐碑一通,高丈余,宽四尺余,字迹大半漫漶,去地四五尺许,为番人凿番字其上,无从辨识。

Der Dazhao-Tempel mit Namen — die Einheimischen sprechen zhao wie zhao (诏) aus, oder wie den Laut zhao (招), und er heißt auch Laomulang. Golden und grün, hoch aufragend und weit, ist er eines der großen und alten Klöster Tibets. Seine Bauten sind tief und düster, als wäre man in eine lange Gasse getreten, sodass es selbst bei Tag schwerfällt, ohne Lampe zu sehen. Der Boden ist mit Stein gepflastert, so poliert, dass er als Spiegel dienen kann, und man fürchtet auszurutschen, wenn man darauf tritt. Seine geformten Bildnisse von Buddhas und Bodhisattvas sind zumeist goldleibig, den im Landesinneren ebenbürtig, nur eher gedrungen und schlicht. In den linken und rechten Wandelgängen der Haupthalle stehen die Buddhas dicht wie ein Wald; im linken Wandelgang wies ein tibetischer Mönch bestimmte als die Bildnisse der Tang-Prinzessin, des Tubo-Tsenpo und der Tochter des Königs von Baibu (Nepal) aus, doch waren sie in der Gestalt den anderen Buddhas ähnlich, und als ich wieder an ihnen vorüberging, konnte ich sie nicht mehr auseinanderhalten. Dennoch brennen die Butteröl-Glaslampen ohne Unterlass, Tag und Nacht, das Feuer ebenso wie in den buddhistischen Tempeln des Landesinneren. Die ewigen Lampen und die vor den Buddhas dargebrachten Opfergaben sind zumeist von der Art der Kalön und der Khata. Die Buddhas werden nach Zehntausenden gezählt und sind ringsum durch eiserne Netzschirme geschützt, um Diebstahl zu verhindern. So ist es bei all diesen Tempeln, nicht nur bei Dazhao allein. Der Dalai Lama, der Panchen und der Erdeni kommen oft nach Dazhao, um den Buddha zu verehren, mit Zimbeln, Hörnern und Muschelhörnern, deren Klang mehrere Li weit zu hören ist. Im Tempel sind mehrere Hundert Lamas. Vor dem Tempel steht eine Tang-Stele, über ein Zhang hoch und mehr als vier Chi breit, ihre Schrift zum größten Teil verwischt; von etwa vier oder fünf Chi über dem Boden an haben Tibeter tibetische Schriftzeichen darauf gemeißelt, sodass sie nicht mehr zu entziffern ist.

余拟加摹搨,而藏地风日燥烈,且无响搨具,仅将碑文录于左方,其不可辨识者空之。其碑覆以亭,护以木栏。碑侧柳二株,相传植自唐时云。按西藏为唐吐蕃地,德宗时,下嫁公主于吐蕃,观此碑,知灼然不谬。唐碑在大召之前,旁一老柳,云亦唐时物。春来惟此柳先发芽,旬日后藏外之柳方见青。屡试皆然。唐时下嫁吐蕃,一为金城宫主,一为文成公主,德宗时盖文成公主也。大唐文武孝德皇帝舅甥二主商议,社稷如一,大和盟约,永无渝替,神人俱已证知,世世代代,使其称赞,是以盟文即日题之于文武孝德皇帝,与二帝舅甥濬鸿被晓今永之矜愍之情,恩其无内外,商议叶同,务令万姓安泰,所必如一成久迁大主之奸之义。大和著议,二国所守。见帝之西,尽是大番境土,彼此不为敌,不举兵革,不相谋境。

Ich beabsichtigte, einen Abrieb anzufertigen, doch Wind und Sonne Tibets sind trocken und heftig, und ich hatte keine Abriebgeräte zur Hand; ich konnte nur den Stelentext links abschreiben und ließ leer, was nicht zu entziffern war. Die Stele ist von einem Pavillon überdacht und von einem hölzernen Geländer geschützt. Neben der Stele stehen zwei Weiden, die in der Tang-Zeit gepflanzt worden sein sollen. Nun war Tibet das Land des tang-zeitlichen Tubo; in der Zeit Kaiser Dezongs wurde eine Prinzessin nach Tubo hinabverheiratet — und blickt man auf diese Stele, so weiß man, dass dies gewiss kein Irrtum ist. Die Tang-Stele steht vor Dazhao, und daneben eine alte Weide, die ebenfalls aus der Tang-Zeit stammen soll. Wenn der Frühling kommt, ist es diese Weide allein, die zuerst austreibt; erst etwa zehn Tage später ergrünen die Weiden außerhalb Tibets. Wieder und wieder erprobt, ist es stets so. In der Tang-Zeit wurden zwei nach Tubo hinabverheiratet: eine war die Prinzessin Jincheng, eine die Prinzessin Wencheng; die zur Zeit Dezongs war, wie es scheint, die Prinzessin Wencheng. [Stelentext:] Der Kaiser von Großtang, Wen-Wu-Xiao-De, und der Herrscher — die beiden Herren, Onkel und Neffe — berieten, dass ihre Reiche wie eines sein sollten, ein großer Friedensbund, der niemals gebrochen werden solle und für den Götter und Menschen gleichermaßen Zeugnis abgelegt haben; damit Geschlecht um Geschlecht ihn preise, wurde der Bundestext an eben jenem Tag eingemeißelt. [Der Text wird hier lückenhaft und teils unleserlich.] Der große Frieden wurde beschlossen, und die beiden Staaten hielten sich daran. Westlich der kaiserlichen Domäne ist alles das Gebiet von Groß-Tubo; keiner soll dem anderen Feind sein, noch Waffen erheben, noch über Grenzen Ränke schmieden.

或有猜阻,捉生问事,说冷衣粮,放归今一石此大和生舅甥之义,无须通传。彼此路番汉于将军谷交马,其戎抚己东大唐祇应清水县,已西大番供应,须令舅甥亲近之礼,使其两界烟尘,不闻盗之名,须无怨之人。如斯业之于日月所照矣。番于番国受安,汉亦汉国受兹,万令大业,依此盟誓,永久不得。三宝及诸贤均不依此祸也。仍须阴谋者,番汉名臣告立,细为文。碑阴尚有汉蕃文武官列名,余搨得数本。全者为姚一如、石琢堂诸君索去,字形如李北海,亦当时名家所书也。旧志载大召前有唐碑二,一为德宗盟碑,一为穆宗盟碑。今穆宗碑不可复见矣。小召在大召之西,规模较小,云唐公主所建,亦有唐公主及赞普像。召外即上下经园,每园各种杨树五百株,其下每树坐一习经喇嘛,风雨不移。

[Stelentext, fortgesetzt, teils lückenhaft:] Sollte es Argwohn oder Behinderung geben und Gefangene ergriffen und verhört werden, so sollen sie mit Kleidung und Proviant versehen und heimgeschickt werden… der Grundsatz der Freundschaft, geboren zwischen Onkel und Neffe, sodass keine Botschaften übermittelt werden müssen. Tubo und Han sollen entlang der beiden Wege die Pferde im Jiangjun-Tal tauschen; östlich davon soll Großtang für die Versorgung bei Kreis Qingshui sorgen, und westlich davon soll Groß-Tubo versorgen. Die Riten der Nähe zwischen Onkel und Neffe sollen gewahrt werden, sodass an den beiden Grenzen kein Staub des Krieges und kein Name des Raubs zu hören sei und niemand Groll trage. Ein solches Werk soll dauern, wohin Sonne und Mond scheinen. Tubo soll Frieden finden im Land von Tubo, und Han soll dies ebenso finden im Land von Han; dieses große Werk, dem Eid gemäß, soll für immer bestehen. [Ende des abgeschriebenen Textes.] Auf der Rückseite der Stele standen noch Namen von zivilen und militärischen Beamten der Han und Tubo, und ich erlangte mehrere Abriebe. Die vollständigen wurden von Yao Yiru, Shi Zhuotang und anderen begehrt und mitgenommen; die Formen der Schriftzeichen gleichen denen von Li Beihai (Li Yong), das Werk eines Meisters jener Zeit. Die alte Chronik verzeichnet, dass vor Dazhao zwei Tang-Stelen standen — eine die Bündnisstele Dezongs, eine die Bündnisstele Muzongs. Heute ist die Muzong-Stele nicht mehr zu sehen. Xiaozhao (der Ramoche) liegt westlich von Dazhao, kleiner an Maßstab, angeblich von der Tang-Prinzessin erbaut, und auch er hat Bildnisse der Tang-Prinzessin und des Tsenpo. Außerhalb des Tempels sind die oberen und unteren Schriftgärten, jeder mit fünfhundert Pappeln bepflanzt, unter deren jeder ein Lama sitzt, der die Schriften studiert, unbewegt von Wind und Regen.

中一台为讲经之地。每日二次出园,至小召饮酥茶,食糌粑入。园者皆选考经典熟习之人,戒律甚严,三年后考取堪布,即为正途出身。京中挑取者,亦在此中考选。堪布有大小,皆得戴大方顶金笠,余戴珊瑚蜜蜡者,皆非大召寺之召音如诏。诏译言如来也。寺相传建自唐时,西向周围崇楼峻阁,殿瓦饰以黄金,中塑佛曰觉释加摩尼,自唐时侍公主至藏,年甫十二,成佛殿中,供奉万岁御碑,为岁时朝拜之所。东南隅有百喇末殿,殿以神名。又闻前廊之壁,绘唐元奘等求经像及尉迟敬德军器一具,未之见也。百喇末即白纳么,系女相,为彼地财帛之神。相传其夫即罗公甲布,一年一度,畀其行像,绕藏一匝,垂仲念经,射箭驱崇阖藏妇女,前一日桂哈达者以数万计,收入商上,添备用度,亦生财之道也。

In der Mitte ist eine Plattform zum Auslegen der Schriften. Zweimal täglich kommen sie aus dem Garten heraus und gehen nach Xiaozhao, um Buttertee zu trinken und Tsampa zu essen. Die in den Gärten sind allesamt Männer, die auf ihre gründliche Beherrschung der Schriften ausgewählt und geprüft wurden; die Disziplin ist sehr streng, und nach drei Jahren werden sie für den Rang des Khenpo geprüft, was der orthodoxe Weg des Aufstiegs ist. Auch die aus der Hauptstadt Erwählten werden hier geprüft und ausgewählt. Khenpos sind von größerem und geringerem Grad, alle berechtigt, den großen quadratgipfeligen goldenen Hut zu tragen, während die übrigen, die Koralle und Bernstein tragen, es nicht sind. Der Name des Tempels Dazhao — sein zhao wird wie zhao (诏) ausgesprochen; zhao bedeutet übersetzt Tathagata. Der Tempel soll in der Tang-Zeit erbaut worden sein, nach Westen gewandt, ringsum von hohen Türmen und steilen Pavillons umgeben, seine Hallendachziegel mit Gold verziert. In der Mitte ist ein geformter Buddha namens Jueshijiamoni (Jowo Shakyamuni), der in der Tang-Zeit im Gefolge der Prinzessin nach Tibet kam, mit gerade zwölf Jahren, und in der Halle zum Buddha wurde, wo die kaiserliche Stele des regierenden Kaisers aufgestellt ist, ein Ort der jahreszeitlichen Verehrung. An der südöstlichen Ecke ist die Bailamu-Halle, benannt nach ihrer Gottheit. Ich hörte auch, dass an der Wand des vorderen Wandelgangs Bildnisse des Tang-Xuanzang und anderer auf der Suche nach den Schriften gemalt seien sowie ein Satz Waffen des Yuchi Jingde, doch ich sah sie nicht. Bailamu ist Bainamo (Palden Lhamo), von weiblicher Gestalt, die Gottheit des Reichtums und der Güter in jenem Land. Es heißt, ihr Gemahl sei Luogong Jiabu; einmal im Jahr wird ihr Prozessionsbildnis einmal um Tibet herumgetragen, wobei Mönche Schriften rezitieren und Pfeile schießen, um Böses zu vertreiben, und die Frauen des Bezirks werden im Haus verschlossen. Am Tag zuvor zählen die, die Khata darbringen, nach Zehntausenden, was von den Shang-Behörden eingenommen wird, um ihre Ausgaben aufzustocken — auch ein Weg, Reichtum zu erwirtschaften.

《竺国纪游》卷一,清周蔼联撰 (Zhuguo Jiyou, Aufzeichnung einer Reise ins Land Indien, Band 1; von Zhou Ailian der Qing-Zeit)

Alte Fotos

1904

Während des britischen Feldzugs nach Tibet im Jahr 1904 fotografierte John Claude White eine Straßenszene in Lhasa, ursprünglich mit „Looking towards the Jo Khang“ betitelt. Hier wird ein zugeschnittenes Bild verwendet, das die Fassade in Richtung des Dazhao-Tempels, die Menschenmenge vor dem Tor und das Umfeld der Straßen und Gassen bewahrt.

1905

Das 1905 erschienene The Unveiling of Lhasa enthält eine Tafel mit dem Titel „Metal Bowls outside the Jokhang“, die die metallenen Opfergefäße, die Mauer und das Torgewölbe außerhalb des Dazhao-Tempels zeigt. Hier wird die Einzelaufnahme aus dem Originalbuch verwendet, wobei Bildunterschrift und Seitenränder entfernt wurden.

1906

Das 1906 erschienene Lhasa and its Mysteries enthält eine Tafel, die von einem benachbarten Dach auf den Dazhao-Tempel hinabblickt, auf Englisch betitelt „Cathedral of Lhasa (from roof of adjoining building)“. Hier wird ein zugeschnittenes Bild verwendet, das das Dach, die goldenen Firstzieraten und die umliegenden Dachflächen des Dazhao-Tempels bewahrt.

Referenzen